Die Wangerland Touristik GmbH (WTG) sucht derzeit einen Käufer, der den Campingplatz Schillig mit seinen rund 1500 Stellplätzen vollständig übernimmt und den Betrieb in Zukunft fortführt. Gemeint ist nicht nur die Fläche an sich, sondern die gesamte vorhandene Infrastruktur: dazu gehören die Stellplatzanlagen, die technischen Einrichtungen, die Versorgungs- und Entsorgungsanlagen sowie die bestehenden Betriebs- und Sanitärgebäude. Ziel ist es, einen Investor zu finden, der den Platz nicht grundlegend umnutzt, sondern als Campingplatz weiterentwickelt und damit die touristische Funktion des Standortes dauerhaft sichert.
Ausdrücklich begrüßt die WTG Interessenten, die ihr Angebot erweitern und zugleich ein Betreibermodell für die „Friesland-Therme“ in Horumersiel vorschlagen. Dieses kombinierte Hallen- und Freibad mit Saunalandschaft war bisher ein wichtiges Freizeit- und Gesundheitsangebot für Gäste und Einheimische. Aufgrund eines Defekts in der Heizungsanlage musste die Therme im vergangenen Jahr jedoch geschlossen werden. Seitdem steht die Frage im Raum, wie und durch wen der Betrieb wieder aufgenommen und langfristig gesichert werden kann. Ein Käufer, der sowohl den Campingplatz Schillig übernimmt als auch ein tragfähiges Konzept für die „Friesland-Therme“ vorlegt, würde daher besonders positiv bewertet.
Lage und Bedeutung des Campingplatzes
Der Campingplatz Schillig liegt in herausragender Lage direkt vor dem Deich, unmittelbar an der Jade. Das Areal umfasst rund 420.000 Quadratmeter und ist von der WTG vom Land Niedersachsen gepachtet. Damit handelt es sich um eine der prägenden touristischen Flächen in der Region. Im vergangenen Jahr wurden auf dem Campingplatz 284.541 Übernachtungen gezählt – ein deutlicher Hinweis auf die große Nachfrage und die wirtschaftliche Bedeutung für das Wangerland.
Zum Gelände gehören mehrere Betriebs- und Sanitärgebäude, die den reibungslosen Ablauf des Campingbetriebs sicherstellen. Für die Betreuung des Platzes waren bei der WTG 18 Mitarbeiter beschäftigt, davon vier in Vollzeit. Hinzu kommen zwei weitere Arbeitsplätze, die direkt an den Betrieb der „Friesland-Therme“ gekoppelt sind. Die Entscheidungen rund um den Verkauf und ein mögliches neues Betreibermodell haben damit nicht nur Folgen für Gäste und Tourismus, sondern auch für die Beschäftigten vor Ort.
Rahmenbedingungen des Bieterverfahrens
In der offiziellen Bekanntmachung zum Bieterverfahren stellt die WTG klar, dass ein Verkauf des Campingplatzes nicht allein in ihrer Hand liegt. Der Abschluss eines entsprechenden Vertrages steht ausdrücklich unter dem Vorbehalt, dass sowohl der Gläubigerausschuss als auch der Sachwalter im laufenden Insolvenzverfahren zustimmen. Diese Gremien haben die Aufgabe, die Interessen der Gläubiger zu wahren und die wirtschaftliche Vertretbarkeit der Entscheidung zu prüfen.
Interessenten können zunächst eine unverbindliche Interessenbekundung abgeben. Diese bedeutet noch keinen Kaufvertrag, sondern ist der erste Schritt, um in den weiteren Auswahl- und Verhandlungsprozess einzutreten. Neben der reinen Kaufpreisvorstellung sollen die Bieter dabei auch ihr Konzept für den künftigen Betrieb darlegen.
Bei der Entscheidung, welchem Bieter am Ende der Zuschlag erteilt wird, will die WTG mehrere Kriterien berücksichtigen. Eine wichtige Rolle spielt selbstverständlich die Höhe des angebotenen Kaufpreises. Darüber hinaus sind jedoch auch weitere Faktoren ausschlaggebend: das touristische Gesamtkonzept des Bewerbers, geplante Folgeinvestitionen in den Campingplatz, die Bereitschaft zur Übernahme der vorhandenen Mitarbeiter sowie ein schlüssiges Betreiberkonzept für die „Friesland-Therme“. Damit soll sichergestellt werden, dass nicht nur kurzfristige Finanzinteressen bedient werden, sondern auch die langfristige touristische Entwicklung und die Arbeitsplätze im Wangerland im Blick bleiben.
Erwarteter Erlös und Hintergründe der Insolvenz
Aus dem Verkauf des Campingplatzes erhofft sich die WTG einen Erlös in Millionenhöhe. Diese Mittel werden dringend benötigt, um die angespannte finanzielle Lage des Unternehmens zu verbessern. Die WTG befindet sich in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das bedeutet, dass das Unternehmen unter Aufsicht eines Sachwalters versucht, sich aus eigener Kraft zu sanieren und eine langfristige Fortführungslösung zu finden.
Hauptursache für die finanzielle Schieflage der WTG ist die massive Kostenexplosion beim Bau des „Thalasso Meeres Spa“ in Horumersiel. Für dieses Projekt waren ursprünglich Baukosten von rund 4,8 Millionen Euro angesetzt worden. Im Verlauf der Planung und Umsetzung stiegen die erwarteten Kosten jedoch auf zuletzt etwa 23 Millionen Euro an. Diese enorme Abweichung von der ursprünglichen Kalkulation hat die WTG wirtschaftlich stark belastet. Bislang liegt weder eine abschließende Rechnung für das Projekt vor noch eine umfassende, detaillierte Aufarbeitung der Gründe für diese drastische Kostenentwicklung.
Ausblick
Mit dem geplanten Verkauf des Campingplatzes Schillig und der möglichen Vergabe eines Betreibermodells für die „Friesland-Therme“ will die WTG die Weichen für eine wirtschaftlich stabile Zukunft stellen. Für die Bürgerinnen und Bürger, die Gäste und die Beschäftigten ist entscheidend, dass dabei sowohl die finanziellen Zwänge als auch die touristische Bedeutung des Wangerlands berücksichtigt werden. Die nächsten Monate und die Auswahl des passenden Investors werden maßgeblich darüber entscheiden, wie sich Campingplatz und Therme in den kommenden Jahren entwickeln.




