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Münster: Sensationsfund in Münster – Archäologen entdecken Spuren aus Mittelalter und Neuzeit auf Schulgelände
© Stadt Münster / Britta Roski

Münster: Sensationsfund in Münster – Archäologen entdecken Spuren aus Mittelalter und Neuzeit auf Schulgelände


Bei den Bauarbeiten zur Erweiterung des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums in Münster haben Archäologinnen und Archäologen bedeutende historische Funde gemacht. Auf dem Gelände in der Innenstadt wurden Überreste von Gebäuden, Alltagsgegenständen und mittelalterlichen Siedlungsspuren freigelegt, die mehrere Jahrhunderte Stadtgeschichte dokumentieren.

Historische Gebäudereste unter ehemaliger Turnhalle entdeckt

Die Stadtarchäologie Münster stieß bei Untersuchungen auf zahlreiche Überreste von Gebäuden, die zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert entstanden waren. Ein Teil der Funde befindet sich unter den Flächen der ehemaligen Turn- und Gymnastikhalle an der Grünen Gasse, die Anfang 2026 abgerissen wurden.

Weitere archäologische Strukturen wurden unter früheren Schulhofflächen entdeckt. Dabei handelt es sich vor allem um Fundamente ehemaliger Häuser, historische Pflasterungen, Abfallgruben und eine alte Erdkloake.

Archäologen rekonstruieren historische Bebauung

Anhand der freigelegten Strukturen konnten die Expertinnen und Experten nachvollziehen, dass die früheren Gebäude zur heutigen Krummen Straße sowie zur Schützenstraße ausgerichtet waren. Die Bauwerke waren vergleichsweise klein und prägten einst das historische Stadtbild in diesem Bereich der Münsteraner Altstadt.

Die Funde liefern wichtige Erkenntnisse über die Entwicklung des Quartiers über mehrere Jahrhunderte hinweg.

Alltagsgegenstände aus dem 18. und 19. Jahrhundert gefunden

Besonders aufschlussreich sind mehrere historische Abfall- und Sickergruben. Dort fanden die Archäologen zahlreiche Gegenstände aus dem täglichen Leben vergangener Jahrhunderte.

Zu den entdeckten Objekten gehören Fragmente von Keramikgefäßen, Glasgegenständen und Metallobjekten. Zudem wurden Überreste von Lebensmitteln wie Tierknochen und Austernschalen geborgen. Diese Funde ermöglichen wertvolle Einblicke in die Lebensweise und Haushalte des 18. und 19. Jahrhunderts.

Mittelalterliche Siedlungsspuren im ehemaligen Gartenbereich

Ein weiterer bemerkenswerter Fund betrifft den ehemaligen Garten des Adelshofes der Fürstin von Gallitzin. Dieser Bereich lässt sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen und überschneidet sich mit dem heutigen Baufeld.

Dort entdeckten die Fachleute sogar noch ältere Spuren aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Zu den mittelalterlichen Relikten gehören Gruben, ein sogenanntes Grubenhaus sowie ein Brunnen aus Bruchstein.

Grubenhaus zeugt von mittelalterlichem Handwerk

Das freigelegte Grubenhaus stellt einen besonderen Fund dar. Dabei handelt es sich um ein kleineres Wirtschaftsgebäude, das teilweise in den Boden eingelassen war und häufig für handwerkliche Arbeiten genutzt wurde.

Solche Gebäude liefern Archäologen wichtige Hinweise auf Wirtschaft, Alltag und Arbeitsprozesse im Mittelalter.

Stadtarchäologie dokumentiert jedes Detail

Die Stadtarchäologie Münster ist immer dann im Einsatz, wenn Bodendenkmäler durch Bauprojekte betroffen sind. Nach den Vorgaben des Denkmalschutzgesetzes müssen historische Überreste wissenschaftlich dokumentiert werden, bevor die Flächen weiterbebaut werden können.

Die Befunde werden fotografiert, digital vermessen und beschrieben. Zusätzlich kommen moderne Clouddatenbanken und digitale Erfassungssysteme zum Einsatz. Bewegliche Fundstücke werden geborgen, gereinigt und anschließend im Fundmagazin der Stadtarchäologie in der Speicherstadt Coerde archiviert.

Schulerweiterung für G9 kostet rund 28 Millionen Euro

Hintergrund der Ausgrabungen ist die Erweiterung des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums im Zuge der Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G9).

Auf dem Schulgelände entsteht ein neues Gebäude mit Sporthalle, Fachräumen sowie Unterrichts- und Differenzierungsräumen. Auch Räume für Musik und Informatik sind vorgesehen. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach soll das nachhaltige Energiekonzept ergänzen.

Fertigstellung des Neubaus für 2028/2029 geplant

Die Gesamtmaßnahme wird vom Amt für Immobilienmanagement der Stadt Münster umgesetzt. Die Fertigstellung des Schulneubaus ist für den Winter 2028/2029 vorgesehen.

Mit Kosten von rund 28,3 Millionen Euro zählt das Projekt zu den bedeutenden Bildungsinvestitionen der Stadt. Gleichzeitig liefern die archäologischen Untersuchungen wertvolle neue Erkenntnisse über die Geschichte Münsters.


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