Die Eröffnung der Rahmetalbrücke hätte ein Tag des Dankes für die Menschen in Lüdenscheid werden müssen – für diejenigen, die jahrelang im Stau standen, ihre Existenz bedroht sahen und trotzdem durchgehalten haben. Stattdessen wurde es zur Bühne für Politiker, die sich feiern lassen, als hätten sie persönlich Beton gemischt und Stahlträger verschraubt.
Während Minister, Verkehrslenker und Parteifunktionäre vor Kameras stolz über die neue Brücke schreiten, wirkt das wie eine Inszenierung, die mit der Realität vor Ort wenig zu tun hat. Denn sie waren es nicht, die Tag für Tag in Blechkolonnen steckten, Kinder später von der Kita abholen mussten, Kunden verloren haben oder nachts den Lärm der Ausweichstrecken ertragen mussten. Lüdenscheid hat geblutet – jetzt klatscht die Politik Beifall.
Die wahren Leistungsträger dieses Projekts stehen im Schatten: die Bauarbeiter, die bei Kälte, Hitze und unter massivem Druck auf der Baustelle standen, Überstunden geschoben haben, wenn andere längst im Warmen saßen. Ohne sie wäre keine Schraube gedreht, keine Spur asphaltiert worden. Und die Bürger von Lüdenscheid, die jahrelang geduldig – oder auch wütend, aber gezwungen – mitgezogen haben, sind weit mehr als Statisten. Sie haben die Folgen politischer Verzögerungen und Verwaltungsversagen getragen.
Genau diese Menschen aber kommen bei der Eröffnungs-Show viel zu kurz. Ein allgemeines „Danke an alle Beteiligten“ am Rande, und dann wieder minutenlange Selbstlob-Rhetorik: Wie schnell man jetzt doch gebaut habe, welches Signal das setze, was das für ein Erfolg sei. Diese Art von Dank wirkt eher wie Hohn. Denn sie blendet aus, dass hier nicht Großmut gezeigt wurde, sondern Pflicht nachgeholt wurde – viel zu spät.
Wer spricht über die kaputten Geschäfte in der Innenstadt, über Gastronomiebetriebe, die aufgegeben haben, über Wohngebiete, die jahrelang Ausweichautobahn spielen mussten? Wer benennt klar, dass Lüdenscheid viel zu lange kein politischer Schwerpunkt war, sondern ein Problem, das man verwaltet, aber nicht gelöst hat – bis der Druck zu groß wurde, um ihn zu ignorieren?
Eine ehrliche Eröffnung hätte anders ausgesehen: weniger Bühne für die Politik, mehr Platz für die, die bezahlt haben und die, die aufgebaut haben. Vorne auf dem Podium Bauarbeiter, Bürgerinitiativen, Unternehmer und Anwohner. Dahinter Politiker, die sagen: „Wir haben zu spät reagiert, zu langsam gehandelt, zu viel zugelassen – und Sie mussten das ausbaden.“ Das wäre glaubwürdig gewesen.
Stattdessen bleibt der Eindruck einer Show, die in erster Linie einem Zweck dient: politischer Selbstinszenierung. Die Rahmetalbrücke ist wichtig und richtig – aber sie ist kein Geschenk der Politik an die Region, sondern längst überfällige Infrastruktur. Wer sich jetzt als Retter darstellt, lenkt vom eigenen Versagen ab.
Die wahren Helden dieser Brücke sind nicht die, die das Band durchgeschnitten haben, sondern die, die diese Jahre ausgehalten und diese Brücke gebaut haben: die Bauarbeiter und die Bürger von Lüdenscheid. Wenn sie nicht im Mittelpunkt stehen, ist es die falsche Feier.



