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Düsseldorf: Als der Film noch Kunst war
© Sam Oeder

Düsseldorf: Als der Film noch Kunst war


Von Sam Oeder

In den Gängen und Korridoren des Düsseldorfer Filmmuseums treibt ein Gespenst sein Unwesen! Hier liegt etwas Greifbares in der Luft. Etwas, dass bei vielen Kino- und Filmfans tief sitzende Erinnerungen weckt. Besucher, die hier einkehren werden gepackt und in eine vergangene Zeit entführt. Eine Zeit, in der das Filmhandwerk noch Kunst war.

Wie die Bilder laufen lernten und vom Schattenspiel oder dem Daumenkino ihren Weg bis auf die große Leinwand schafften, zeigen die Exponate der Ausstellung Die Welt des Films. Bestandteil der Sammlung, die sich auf rund 2.200 Quadratmetern erstreckt, sind zum größten Teil Requisiten, Kostüme und Kameras. Der Besucher wird auf 4 Etagen durch die verschiedenen Zeitepochen der Filmgeschichte geführt. Dabei wird auch die Wichtigkeit des deutschen Filmes der 20er und 30er-Jahre beleuchtet. Damals galt der deutsche Film noch als wegweisend.

Highlights der Ausstellung sind Kostüme und Requisiten aus Film-Klassikern. Die Blechtrommel aus dem gleichnamigen Film von 1979, die original (Ersatz-)Requisite von Aragorns Schwert aus Peter Jacksons Herr der Ringe, den Umhang, den Klaus Kinski in Nosferatu getragen hat und einen Schal von Charlie Chaplin – um nur einige zu nennen. Zwischen den verwinkelten Korridoren des Museums lauert hinter jeder Ecke ein weiteres Relikt der Filmgeschichte. Viele davon sind Unikate.

Technikliebhaber kommen bei der Ausstellung ebenfalls ins Staunen. Hier gibt es unzählige Kameras und Projektoren aus der Pionierzeit des Films. Manche, von solchem Ausmaß, man könne meinen, es handele sich um ein Artilleriegeschütz. Scheinwerfer und Ventilatoren so groß wie Wagenräder zieren das nachgebaute Filmstudio.

Aber nicht alle Schätze des Filmmuseums begeistern durch ihre Größe! Beim Betrachten der Miniaturkulissen aus diversen Puppen-Filmen ist es der Zuschauer selbst, der sich groß fühlen darf. Und wer hätte erwartet, dass die Enterprise-D aus Star Trek: Treffen der Generationen und das Alienschiff aus Independence Day derart klein sind.

 Im hauseigenen Kinosaal kann man die fertigen Produkte dieser antiken Filmkunst dann in voller Länge genießen. Bei Vorführungen und Events legt das Team der Black Box Wert auf Nostalgie und Ästhetik. So gibt es hier jeden Tag, bis auf Montags, das, so genannte, Mottokino. Computergenerierte Blockbuster der Neuzeit sowie Popcorntüten und Literbecher voller Softdrinks sucht man hier vergeblich. Die Black Box zeigt Kunst- und Kultfilme aus allen Ländern und Epochen. Die Auswahl reicht bis vom Stummfilm, mit musikalischer Untermalung, bis hin zu aktuellen Arthaus-Filmen. Ganz ohne Digitaltechnik geht es dabei nicht. Doch ab und zu, wie zum Beispiel beim monatlichen Event 42nd Street, läuft der Film noch von seiner originalen 35mm Filmspule ab. Mit all seinen Ecken und Kanten, mit all seinem Staub und Schmutz und all seinen heute undenkbaren Darstellungen und Dialogen. Dann ist er wieder da, dieser kalte Schauer, der einem über die Arme jagt. Und der Geist der Vergangenheit. Einer ruhigen, nachdenklichen Vergangenheit, die einer stressigen, lauten Zukunft Platz machen musste. Doch im Mottokino und auch im Filmmuseum Düsseldorf existiert diese Vergangenheit noch. Und in seinen Gängen und Korridoren haust noch dieses Gespenst aus einer Zeit, als der Film noch Kunst war.


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