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Dortmund: Rechte Burschenschaft bei Jagd und Hund in der Westfalenhalle – Tierrechte werden mit Füßen getreten
© RAMedia/Archiv

Dortmund: Rechte Burschenschaft bei Jagd und Hund in der Westfalenhalle – Tierrechte werden mit Füßen getreten


Die Messe „Jagd & Hund“ in Dortmund präsentiert sich als europäische Leitmesse für Jagd, Natur und Hundewesen. Hinter der Hochglanzfassade mit Outdoor-Romantik, Hunderassen und Ausrüstungsständen zeigt sich jedoch ein Bild, das viele kritische Fragen aufwirft – von der Kommerzialisierung der Jagd über den Umgang mit Tieren bis hin zu der Frage, welches gesellschaftliche Milieu hier gepflegt wird.

Schon beim Betreten der Hallen fällt auf, wie stark die Jagd als Lifestyle-Produkt vermarktet wird. Stände mit teuren Geländewagen, Luxus-Jagdmode und High-Tech-Waffen dominieren ganze Bereiche. Die eigentliche Funktion der Jagd – als Instrument des Artenschutzes und der Bestandsregulierung – tritt dabei in den Hintergrund. Stattdessen wirkt vieles wie eine Schau der Statussymbole: Wer trägt den teuersten Lodenmantel, wer präsentiert das modernste Zielfernrohr? Die Jagd wird so zu einem Konsumgut, das sich vor allem an eine zahlungskräftige Klientel richtet.

Kritisch zu sehen ist auch der Umgang mit dem Thema Tierschutz. Zwar betonen viele Aussteller das Stichwort „Waidgerechtigkeit“ und stellen jagdliche Verantwortung in den Vordergrund. Gleichzeitig werden aber tödliche Waffen, Fallen und Zubehör offen wie normale Freizeitartikel präsentiert. Die Distanz zum tatsächlichen Töten von Tieren wird damit weiter vergrößert: Das Leiden der Tiere verschwindet hinter Produktdesign, technischen Daten und Messe-Rabatten. Informationsstände von Tierschutzorganisationen sind, wenn überhaupt, eher Randerscheinungen und gehen im lauten Messebetrieb schnell unter.

Die Hundehalle vermittelt auf den ersten Blick ein positives Bild: gut ausgebildete Jagdhunde, Vorführungen, Rassepräsentationen. Doch auch hier steht die Frage im Raum, ob Tiere nicht vor allem als „Funktionsträger“ inszeniert werden – als Werkzeuge für die Jagd, optimiert für Leistung und Gehorsam. Kritiker bemängeln, dass das individuelle Tier dabei zur austauschbaren Ressource wird und dass Leistungsdruck, Zuchtideale und Wettbewerb manchmal wichtiger erscheinen als das Wohl des einzelnen Hundes.

Eine weitere problematische Ebene ist das gesellschaftliche Klima, das auf der Messe spürbar wird. Jagd ist historisch eng mit bestimmten traditionellen Eliten und Verbindungen verknüpft, und auch heute finden sich im jagdlichen Umfeld immer wieder Überschneidungen zu konservativen bis reaktionären Milieus. Dort, wo Traditionspflege unkritisch mit althergebrachten Macht- und Rollenbildern verknüpft wird, entsteht ein Raum, in dem sich autoritäre und ausgrenzende Haltungen wohlfühlen können. Gerade vor diesem Hintergrund wirkt die weitgehend unpolitische Selbstinszenierung der Messe befremdlich: Man feiert Kultur und Brauchtum, blendet aber gesellschaftliche Debatten über Exklusivität, Männlichkeitsbilder und demokratische Werte größtenteils aus.

Auch die ökologische Dimension kommt zu kurz. Zwar wird gerne mit „Naturliebe“ und „Nachhaltigkeit“ geworben, doch kritische Fragen zu Bleimunition, Störung von Lebensräumen durch intensive Jagd, Wildfütterung oder zu Bestandsmanipulationen zum Zweck der „bejagbaren Population“ bleiben meist in Hintergrundgesprächen oder Fachvorträgen, die kaum ein breites Publikum erreichen. Statt eine offene Plattform für kontroverse Diskussionen zu bieten, wirkt die Messe streckenweise wie eine geschlossene Echokammer, in der sich ein Milieu selbst bestätigt.

Unterm Strich zeigt die „Jagd & Hund“ in Dortmund eine Branche, die sich modern gibt, aber zentrale Konflikte ihrer Praxis lieber ausblendet oder weichzeichnet. Wer genauer hinsieht, erkennt hinter den bunten Messeständen eine Reihe offener Fragen: Wie viel Tierleid ist für Freizeit und Tradition akzeptabel? Welche gesellschaftlichen Werte werden in diesem Umfeld transportiert? Und wer fühlt sich auf dieser Messe willkommen – und wer eher ausgeschlossen?

Ein wirklich zeitgemäßes Messekonzept müsste diese Fragen offensiv aufgreifen: mit starken, sichtbaren Tierschutz- und Umweltstimmen, mit kritischen Podien und einer klaren Abgrenzung gegenüber ausgrenzenden und autoritären Milieus. Solange dies ausbleibt, bleibt der Eindruck, dass „Jagd & Hund“ vor allem ein großer Showroom für eine umstrittene Freizeitpraxis ist – und ein Spiegel von Traditionen, die sich nur ungern hinterfragen lassen.

Die Deutsche Burschenschaft auf der „Jagd & Hund“

Besonders brisant wirkt in diesem Kontext der Auftritt der Deutschen Burschenschaft (DB) auf der Dortmunder „Jagd & Hund“. 2024 trat der Dachverband erstmals mit einem eigenen Stand in den Westfalenhallen auf – mitten zwischen Jagdzubehör, Hundevereinen und Outdoor-Anbietern. Der Verband wird in Medienberichten und von Expertinnen und Experten seit Jahren mit der extremen Rechten in Verbindung gebracht; einzelne Burschenschaften innerhalb der DB sind wegen geschichtsrevisionistischer und rassistischer Positionen in der Kritik, teils werden sie vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft.

Die Messe Dortmund beruft sich auf die rechtliche Gleichbehandlung von Ausstellern: Wer einen formal korrekten Antrag stellt und sich im Rahmen der Gesetze bewegt, müsse zugelassen werden, so die offizielle Begründung. Genau diese formale Argumentation macht aber das Problem sichtbar: Eine städtische Messegesellschaft bietet damit einem Verband mit klar dokumentierten Verbindungen in die extreme Rechte eine normalisierte Bühne – eingerahmt von Jagdromantik, Traditionspflege und Familienprogramm. Kritiker sprechen von einem bewussten „Normalisierungsversuch“ für rechtsextreme Positionen im Mantel von Brauchtum und Kultur.

Tierschutzgruppen, lokale Initiativen sowie Vertreter der Grünen und Linken kritisierten den Stand der DB scharf und betonten, Werbung für verfassungsfeindliches Gedankengut habe in kommunalen Hallen nichts zu suchen. Dass ausgerechnet in einer Zeit, in der bundesweit Hunderttausende gegen Rechtsextremismus demonstrieren, auf der „Jagd & Hund“ ein Verband auftreten kann, den Fachstellen als Sammelbecken der extremen Rechten einordnen, zeigt eine eklatante Spannung zwischen Messe-Image und politischer Realität.

Im Gesamtbild verstärkt die Präsenz der Deutschen Burschenschaft den Eindruck, dass die Messe problematische Traditions- und Milieubindungen nicht nur hinnimmt, sondern unwidersprochen mitinszeniert. Wo reaktionäre Weltbilder unter dem Deckmantel von „Ehre, Freiheit, Vaterland“ in einem scheinbar harmlosen Freizeit-Setting auftreten können, verschwimmen die Grenzen zwischen konservativer Traditionspflege und offener Rechtsaußen-Ideologie. Für eine Messe, die sich als modernes Aushängeschild von Jagd, Natur und Familienprogramm versteht, ist das ein schwerwiegender Glaubwürdigkeitsverlust.


 

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