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Dortmund: Geierabend pleite! Kult-Karneval im Ruhrpott vor dem Aus – Gema-Forderungen treiben Geierabend in die Insolvenz
© Radosewic I RheinRuhrAktuell

Dortmund: Geierabend pleite! Kult-Karneval im Ruhrpott vor dem Aus – Gema-Forderungen treiben Geierabend in die Insolvenz


Eine der lautesten Satire-Stimmen des Ruhrgebiets ist verstummt: Der Dortmunder Alternativkarneval „Geierabend“ steht vor dem Aus. Die Betreiberfirma, die Unternehmergesellschaft „Geierabend Flattermann-Factory gUG“, hat beim Amtsgericht Dortmund Insolvenz angemeldet. Damit ist die Zukunft der Kultshow, die seit mehr als drei Jahrzehnten den klassischen Sitzungskarneval aufs Korn nimmt, ungewisser denn je.

„Geschieht kein Wunder, ist es vorbei mit dem Geierabend. Schicht im Schacht. Ewiger Aschermittwoch“, teilten die Macher in einer Mitteilung mit. Hinter dem drastischen Befund stehen massive finanzielle Probleme: Der satirische Ruhrpott-Karneval kann offene Forderungen nicht mehr begleichen und ist zahlungsunfähig.

Satirische Institution seit 1992

Der Geierabend startete 1992 als freche Gegenveranstaltung zum traditionellen Karneval – mit der Ansage: „Wie Karneval. Nur anders.“ Auf der Bühne gab es derben Ruhrpott-Humor, politische Spitzen und Musik, oft an der Grenze zur Schmerzfreiheit – und genau deshalb bei vielen im Revier geliebt. Über die Jahre entwickelte sich der Geierabend auf der Zeche Zollern in Dortmund zu einem festen Bestandteil der Ruhrgebiets-Kultur.

Die Shows waren regelmäßig ausverkauft, Figuren und Nummern wurden weit über Dortmund hinaus zitiert. Der Geierabend verstand sich als Kommentar zur Lage im Ruhrgebiet – mal grob, mal bitterböse, aber immer mit Herz für den Pott.

Altlasten und Gema-Nachforderungen

Der Grund für die Pleite liegt nach Angaben der Betreiber weniger in der aktuellen Spielzeit, sondern in Altlasten, die sich über Jahre aufgebaut haben. Neben unbezahlten Rechnungen sorgen vor allem Gema-Nachforderungen im unteren sechsstelligen Bereich für den wirtschaftlichen Kollaps. Gleichzeitig sei die Finanzierung großer Kulturveranstaltungen insgesamt schwieriger geworden, so die Verantwortlichen.

Die aktuelle Saison sei künstlerisch zwar gelungen, betonen die Macher – finanziell aber war der Spielraum längst aufgebraucht. Auch rückläufige Zuschauerzahlen werden als ein Faktor genannt, der die Lage zusätzlich verschärft hat.

„Wichtig für das Selbstbewusstsein der Stadt“

Für viele in Dortmund ist der Geierabend weit mehr als nur eine Karnevalsveranstaltung. Der langjährige Moderator und Mit-Geschäftsführer Martin Kaysh beschreibt, warum die Show aus seiner Sicht eine besondere Rolle spielt: Eine Stadt wie Dortmund brauche eine satirische Veranstaltung wie den Geierabend, die das Leben im Ruhrgebiet aufs Korn nehme und Menschen ins Gespräch bringe.

Gerade weil der Geierabend auch unbequeme Themen anpackte, galt er als wichtiger Teil der Streit- und Lachkultur im Revier. In den sozialen Medien reagieren viele Fans betroffen – und doch bleibt der typische schwarze Humor: Ausgerechnet an Gema-Forderungen zu scheitern, sei fast schon wieder Stoff für eine Geierabend-Nummer, kommentiert ein Unterstützer.

Künstler nicht direkt betroffen – aber Zukunft offen

Von der Insolvenz betroffen ist die Unternehmergesellschaft, die den geschäftlichen Teil des Geierabends bildet; die Künstler selbst seien nach bisherigen Angaben nicht unmittelbar Teil des Verfahrens. Trotzdem steht für sie viel auf dem Spiel: Bühne, Marke und eingespieltes Ensemble sind ohne tragfähige Struktur kaum fortzuführen.

Ob der Geierabend nach dem Insolvenzantrag noch eine Chance auf Rettung hat, ist derzeit völlig unklar. Die Macher hoffen auf Lösungen im Rahmen des Verfahrens – oder auf Unterstützer, die einen Neuanfang ermöglichen könnten.

Im Raum steht die Idee eines Abschiedsauftritts im Sommer 2026, doch angesichts der angespannten Finanz- und Rechtslage ist selbst das unsicher.1 Sicher ist nur: Mit der Insolvenz droht dem Ruhrgebiet der Verlust einer seiner markantesten satirischen Stimmen – und dem Karneval im Revier ein Stück seiner eigenen, eigensinnigen Identität.

Geierabend bezichtigt aber einige lokale Medien als AFD freundlich und zog sich dort auch den Zorn zu.


 


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